LICHT. FUGE. LEHM.

Installation 2022

Eine Zusammenarbeit mit Eva Zulauf im POOLHAUS Blankenese

Fotos: Nino Bollag und Johanna Klier

LICHT FUGE LEHM – der Dreiklang mehr oder weniger ›archaischer‹ Materialitäten verweist auf ein ästhetisches Gefüge sich durchquerender künstlerischer Bezugssysteme, das ein Zusammentreffen von Belichtung und Schatten, Konstruktion und Unberechenbarkeit, Neubeginn und Wiederkehr raumgreifend inszeniert. Der antiken Figur der Tetraktýs – einer geometrischen Repräsentation der ›vierten Dreieckszahl‹, durch die sich Pythagoras von Samos einen Schlüssel zum Verständnis der Weltharmonie versprach – kommt dabei eine prominente Rolle zu. Die Figur wird in die Arena eines trockengelegten Schwimmbeckens hineingezogen, um sich dort in einer fragmentierten Form räumlich zu aktualisieren. Die ewige Ruhe mathematischer Verbindlichkeiten wird allerdings sowohl von außen als auch aus dem Inneren der Installation empfindlich gestört. Eine Rabenkrähe beispielsweise ›drosselt‹ mehr oder weniger hörbar die Herrlichkeit eines sich lautlos verströmenden Lichts der Erkenntnis. Der stromversorgende ›Kabelsalat‹ der Lichtröhren konterkariert die allegorisch verstreuten Restbestände geometrischer Ordnung, deren Beleuchtung er zugleich möglich macht. Grünlinge aus getrocknetem Lehm schließlich, ›dämmen‹ die unaufgeräumte Ordnung gegen jede ästhetische Kohärenz, sie stellen eine permanente Neukonstruktion in Aussicht. Ganz in diesem Sinne wird das Poolhaus Blankenese von Margarethe Mast und Eva Zulauf künstlerisch ebenso okkupiert wie neujustiert. Es wird zum quasi-kultischen Schauplatz einer materialen Verschränkung gemacht, deren Fluchtlinien sich einen Weg ins vermeintlich idyllische Außen bahnen.

Benjamin Sprick